Allgemeines
Morbus Paget (Paget-Krankheit) ist eine chronische Erkrankung, die zu einem anormalen Knochenwachstum führt. Das Knochengewebe wird stets abgebaut und wieder ersetzt. Bei der Paget-Krankheit wird das Knochengewebe aber viel schneller zerstört und resorbiert als normalerweise. Um mit der Knochenzerstörung Schritt zu halten, erhöht der Körper die Geschwindigkeit des Rekonstruktionsprozesses, aber dieses neu gebildete Knochengewebe ist oft weich und brüchig, so dass es leichter zu Knochenbrüchen (Frakturen) kommt.
In der Regel greift die Paget-Krankheit das Becken und die Wirbelsäule, den Oberschenkelknochen (Femur), den Schädel, das Schienbein (Tibia) und den Oberarmknochen (Humerus) an. Von der Paget-Krankheit können ein oder mehrere Knochen betroffen sein.
Ursachen
Die Ursachen der Paget-Krankheit sind zwar nicht bekannt, aber es gibt genetische und virale Faktoren, die eine wichtige Rolle beim Auftreten der Krankheit spielen:
- genetische Faktoren: In bis zu 40% der Fälle wurde die Krankheit auch bei anderen Familienmitgliedern gefunden. Falls die Eltern, Brüder oder Schwestern an der Paget-Krankheit leiden, liegt das Erkrankungsrisiko 7-Mal höher als wenn diese Krankheit in der Familie nicht vorkommt.
- virale Faktoren: Bei Patienten, die an der Paget-Krankheit leiden, wurden im Bereich des Knochengewebes bestimmte Viren identifiziert: das Röteln-Virus und das Tollwut-Virus. Es gibt aber keinen Beweis dafür, dass diese Viren die Paget-Krankheit hervorrufen.
Risikofaktoren
Zu den Risikofaktoren für Morbus Paget zählen:
- Familienbelastung: Wenn die Eltern, Brüder oder Schwestern an der Paget-Krankheit leiden, liegt das Risiko für das Auftreten der Krankheit viel höher.
- Alter: Die Paget-Krankheit betrifft vor allem Patienten über 50 Jahre.
Symptome
Die meisten Patienten, die an Morbus Paget leiden, haben keine Symptome. Falls Beschwerden auftreten, handelt es sich häufig um Knochenschmerzen und -deformierungen. Die Patienten weisen diese Symptome oft schon mehrere Jahre vor der Diagnosestellung auf.
Im Allgemeinen greift die Paget-Krankheit die Becken- und Oberschenkelknochen (Femur), die Wirbelsäule, den Schädel, das Schienbein (Tibia) und den Oberarmknochen (Humerus) an. Es können ein (monostotisch) oder mehrere Knochen (poliostotisch) von der Krankheit betroffen sein.
Knochenschmerzen
Die Paget-Krankheit kann im betroffenen Bereich ein Wärmegefühl, erhöhte Empfindlichkeit und Schmerzen hervorrufen. Die Knochenschmerzen verschlimmern sich häufig während der Nacht und halten den Patienten in vielen Fällen wach. Die Schmerzen werden durch Bewegung verringert. Wegen des diffusen und schwer zu beschreibenden Charakter der Schmerzen können sie irrtümlicherweise mit dem Alterungsprozess in Verbindung gebracht. Manche Patienten, die an der Paget-Krankheit leiden, beschreiben den Schmerz als konstant und tief.
Die Intensität der Schmerzen ist nicht unbedingt proportional zu den Knochenschäden, die sie hervorrufen. Manche Patienten empfinden keine schlimmen Knochenschmerzen, haben aber schwerwiegende Knochenläsionen oder die Krankheit kann weniger ernsthaft sein, aber mit unheimlich starken Knochenschmerzen einhergehen. Die Knochenschmerzen sind meist während der Zerstörung des Knochens im aktiven Zustand der Krankheit stärker als während der anderen Krankheitsphasen. Die Schmerzen können auch durch die Komplikationen der Paget-Krankheit hervorgerufen werden, wie beispielsweise der Arthritis.
Knochendeformierungen
Die Paget-Krankheit kann zu Knochendeformierungen führen, z.B. zu einer Krümmung der unteren Gliedmaßen, Schädel- und Hüftdeformierungen oder einer verstärkten Krümmung der Wirbelsäule. Deformierungen treten häufiger im Bereich der langen Knochen, wie beispielsweise des Oberschenkelknochens (Femurs) auf.
Ist ein Knochen vom Morbus Paget befallen, kann dies in der Folge weitere Komplikationen hervorrufen. Im Fall des Oberschenkelknochens können z.B. die Funktion des Hüft- und des Kniegelenks verändert werden, was zum Auftreten einer Osteoarthritis führen kann. Diese führt wiederum zu Schmerzen und Steifheit im Bereich der Gelenke mit Gehbehinderungen und Schwierigkeiten beim Verrichten alltäglicher Tätigkeiten.
Andere Symptome, die im Rahmen der Paget-Krankheit auftreten können, sind:
- Bei Befall des Schädels kann es zu Kopfschmerzen, Schwindel, Verringerung der Muskelkraft im Bereich des Gesichts (Gesichtserschlaffung) sowie zu Seh- oder Hörstörungen kommen.
- Falls die Wirbelsäule betroffen ist, können Nervenläsionen auftreten, die mit Schmerzen, Steifheit und Muskelerschlaffung verbunden sind. Außerdem kann es zum so genannten Kaudasyndrom mit einem Gefühlsverlust im Bereich des Beckens und der unteren Gliedmaße kommen, das einen medizinischen Notfall darstellt.
Physiopathologischer Mechanismus
Bei gesunden Menschen unterliegt das Knochengewebe einem ständigen Umbau: Knochen wird abgebaut, umgebaut und wieder ersetzt. In den Anfangsstadien der Paget-Krankheit wird das Knochengewebe sehr viel schneller als normal zerstört und abgebaut. In der Folge erhöht der Körper die Geschwindigkeit des Rekonstruktionsprozesses, aber dieses neu gebildete Knochengewebe ist oft weich und brüchig, so dass es leichter zu Knochenbrüchen (Frakturen) kommt. Der Körper tendiert außerdem dazu, zu viel neues Knochengewebe zu produzieren, so dass der Knochen eine höhere Blutzufuhr benötigt.
Zu Beginn ist diese Erkrankung schwierig zu diagnostizieren. Oft werden die Symptome mit den Beschwerden der Osteoarthritis oder dem normalen Alterungsprozess verwechselt. Je weiter die Krankheit fortschreitet, desto stärker treten Zeichen wie Krümmung der unteren Extremitäten, Schädel- oder Gesichtsknochendeformierungen, Verstärkung der Wirbelsäulenkrümmung oder Knochenbrüche auf.
Die Paget-Krankheit entwickelt sich im Verlauf des gesamten Lebens und hat aktive und inaktive Phasen. Sehr selten breitet sich die Krankheit auch noch auf andere Knochen als die anfangs betroffenen aus.
Komplikationen treten relativ selten auf, aber wenn, dann können sie Gelenkentzündungen (Arthritiden), Knochenbrüche (Frakturen) und Nervenstörungen hervorrufen. Letztere können eine Reihe von Symptomen hervorrufen, z.B. Kopfschmerzen, Schwindel, Hör- und Sehstörungen.
Fachärztliche Untersuchung
Eine fachärztliche Untersuchung der betroffenen Patienten ist dann unbedingt nötig, wenn sie folgende Anzeichen und Komplikationen aufweisen:
- plötzlicher Gehör- oder Sehverlust: Je stärker sich die Schädelknochen durch die Erkrankung verändern, desto eher treten Nervenläsionen auf, die zum dauerhaften Verlust des Seh- und Gehörsinns führen können.
- Müdigkeit oder erstarrte Gesichtszüge: Die Knochenveränderungen im Schädelbereich können sich auf die Gesichtsmuskulatur auswirken.
- Atemstörungen oder Flüssigkeitseinlagerungen vor allem in Bereich der unteren Gliedmaße oder des Bauches; diese können auch Anzeichen einer Herzinsuffizienz sein
- Schwäche im Bereich beider Beine mit Kontrollverlust über die Harnblase und das Rektum; Diese Symptome treten infolge der Kompression einer bestimmten Nervenwurzel auf und sind unter dem Namen Kaudasyndrom bekannt. Sie werden durch ein zu schnelles Knochenwachstum verursacht, so dass der Knochen in der Folge auf die Nerven drückt. Dabei handelt es sich um ein besonders ernstes Problem, daher ist eine sofortige medizinische Behandlung nötig.
Eine ärztliche Untersuchung ist nötig, wenn:
- Symptome des Morbus Paget auftreten, wie Knochenschmerzen oder verstärktes Knochenwachstum (dies merkt man z.B. daran, dass der Hut zu klein geworden ist).
- Symptome der Paget-Krankheit und Osteoarthritis im Bereich eines Gelenks auftreten
- Symptome einer Nerven-Kompression im Bereich der Wirbelsäule auftreten; die am häufigsten auftretenden Beschwerden dabei sind Schmerzen der unteren Gliedmaßen oder andere neurologische Symptome wie Schwäche oder tiefe Muskelkrämpfe.
- sich der Knochenschmerz verschlimmert oder an einer anderen Stelle auftritt, was einen Knochenbruch anzeigen oder –seltener- Symptom eines Knochenkrebses sein kann.
Empfohlene Fachärzte
Fachärzte, welche die Paget-Krankheit diagnostizieren und behandeln können, sind:
- der Allgemeinmediziner
- der Internist
- der Endokrinologe
- der Rheumatologe.
Nachdem die Paget-Krankheit diagnostiziert wurde, kann sich der Patient an folgende Fachärzte wenden:
- Endokrinologe
- Orthopäde (bei ernsten Knochendeformierungen, Frakturen oder Osteoarthritis)
- Augenarzt (bei Sehstörungen)
- Hals-Nasen-Ohren-Arzt (bei Hörstörungen)
- Rheumatologe (bei Gelenkbeschwerden)
- Physiotherapeut (zum Muskelaufbau)
Überwachung und Beobachtung
Wenn sich die Erkrankung nicht verändert oder sogar verbessert, genügt es, den Zustand des Patienten genau zu überwachen. Tritt eine Verschlechterung der Symptome auf, wird eine Behandlung notwendig, die der Patient zusammen mit dem Arzt bespricht. Die reine aufmerksame Beobachtung wird bei den meisten Symptomen der Paget-Krankheit empfohlen, aber falls im Rahmen der Krankheit Symptome auftreten, die Komplikationen ankündigen, ist eine Behandlung nötig.
Untersuchungen
Die meisten betroffenen Patienten weisen keine Symptome auf. Am häufigsten wird die Paget-Krankheit zufällig während einer anderen Untersuchung diagnostiziert, wie zum Beispiel wegen Hüftschmerzen. Die Ultraschalluntersuchung oder die auffälligen Blutuntersuchungen führen oft zur Entdeckung der Paget-Krankheit.
Wenn der Arzt eine Paget-Krankheit vermutet, wird die Diagnose mit Hilfe der Krankengeschichte, der körperlichen Untersuchung, der Röntgenuntersuchung, den Labor-Untersuchungen und unter Umständen auch einer Computertomographie gesichert.
Der Arzt muss gleichzeitig andere Erkrankungen, die als Ursache der Beschwerden in Frage kommen (wie Knochenmarkkrebs, Knochenerweichungen oder -deformierungen), ausschließen.
Labor-Tests
Labor-Tests reichen nicht aus, um die Paget-Krankheit zu diagnostizieren. Der Arzt betrachtet sie zusammen mit den weiteren Untersuchungen.
Labor-Tests umfassen:
- Alkalische Phosphatase: Das wichtigste Labor-Parameter zur Ermittlung der Paget-Krankheit ist die Alkalische Phosphatase, ein Enzym, das von den Knochen produziert wird. Wenn das Knochengewebe rasch zunimmt, wie es bei der Paget-Krankheit der Fall ist, steigt auch die Konzentration an Alkalischer Phosphatase, die vom Knochen ins Blut abgegeben wird. Weil aber auch andere Organe dieses Enzym produzieren, muss der Arzt zusätzliche Tests durchführen. Der Alkalische-Phosphatase-Test ist zur Diagnosestellung der Krankheit und zu ihrer Überwachung hilfreich.
- Produkte der Knochenzerstörung: Sowohl der Knochen als auch der Knorpel enthalten Kollagen, das freigesetzt wird, wenn Knochen oder Knorpel zerstört werden. Pyridinolin, Deoxipyridinolin und das N-Telopeptid (NTX) sind Kollagen-Fragmente, die im Urin identifiziert werden können. Hohe Konzentrationen dieser Stoffe im Urin weisen daher auf eine Paget-Krankheit hin. Diese Untersuchungen werden aber im Allgemeinen nur zur Überwachung der Krankheit und nicht zur Diagnosestellung eingesetzt.
Radiologische Untersuchungen
Zur Diagnosesicherung und Beobachtung der Komplikationen können mehrere Arten von radiologischen Untersuchungen verwendet werden.
Die Untersuchungen umfassen:
- Röntgen: Im Röntgenbild weist ein von der Erkrankung betroffener Knochen ein unregelmäßiges Knochenwachstum auf, was an den Deformierungen und der Verdickung des Knochens zu erkennen ist.
- Computertomographie: Diese Untersuchung ist zur Diagnosestellung eines Morbus Paget am besten geeignet. Um den oder die betroffenen Knochen zu finden, kann das gesamte Knochensystem untersucht werden. Mit Hilfe dieses Verfahrens kann man außerdem feststellen, ob sich die Paget-Krankheit zum Zeitpunkt der Untersuchung in der aktiven oder inaktiven Phase befindet und man kann kleine Knochen-Fissuren sichtbar machen, die bei einer normalen Röntgenuntersuchung nicht gesehen werden können. Allerdings gibt es mehrere Krankheiten, die zu anormalen Bildern bei der Computertomographie führen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Diese Untersuchung ist besonders hilfreich bei Störungen des Nervensystems, wie zum Beispiel Gehörverlust, Sehstörungen, Kopfschmerzen, Schwäche oder Schwindel, da die betroffenen Schädelknochen und –nerven identifiziert werden können.
- Axiale Computertomographie (computerized axial tomography- CAT scan): Diese Methode wird häufig zur Untersuchung der Schädelknochen eingesetzt.
Nachdem die Diagnose „Morbus Paget“ gestellt wurde, sind regelmäßige Untersuchungen zur Überwachung des Krankheitsverlaufes nötig. Die Kontrolluntersuchungen umfassen Blut- oder Harnuntersuchungen, mit deren Hilfe die Konzentration der vom Knochen freigesetzten chemischen Stoffe bestimmt wird.
Diagnose
Es werden keine systematischen Screening-Untersuchungen für die Paget-Krankheit durchgeführt. Falls eine familiäre Belastung existiert, kann sich die betroffene Person an einen Arzt wenden, um die entsprechenden Blutuntersuchungen durchführen zu lassen.
Behandlung
Behandlung – Allgemeines
Viele Patienten, die an der Paget-Krankheit leiden, benötigen keine spezielle Behandlung, aber sie müssen ihr Leben lang wegen des hohen Komplikationsrisikos überwacht werden. Als Komplikationen können zum Beispiel Gelenkentzündungen (Arthritiden), Knochenbrüche und Nervenläsionen auftreten. Falls die Krankheit aktiv ist, sollte alle 3 Monate eine ärztliche Untersuchung durchgeführt werden. Befindet sich die Erkrankung dagegen in einer inaktiven Phase, wird eine Untersuchung alle 6-12 Monate empfohlen.
Im Allgemeinen empfehlen Ärzte eine Behandlung immer dann, wenn ein Risiko für Komplikationen besteht – unabhängig davon, ob der Patient Symptome aufweist oder nicht. Ein Komplikationsrisiko besteht dann, wenn:
- die Labor-Tests zeigen, dass das Knochengewebe viel schneller als normalerweise zerstört wird.
- die Krankheit die langen Knochen befällt oder die Knochen, die das Körpergewicht stützen (Oberschenkelknochen oder Wirbelsäule). In diesem Fall ist eine Behandlung nötig, um Knochenbrüchen vorzubeugen.
- die Krankheit die Schädelknochen oder die Wirbelsäule angreift, da es zu es Nervenschädigungen oder zu Deformierungen kommen kann.
- ein chirurgischer Eingriff ansteht. Patienten, die an der Paget-Krankheit leiden, benötigen vor dem Eingriff eine medikamentöse Behandlung, die das Knochenwachstum verlangsamt, um das Risiko von bestimmten postoperativen Problemen, z.B. Blutungen, zu verringern.
Ziel der Behandlung ist die Verlangsamung der Zerstörung des Knochengewebes. Die Behandlung kann auch die Schmerzen lindern und dem Auftreten von Komplikationen vorbeugen.
Falls Symptome wie Gelenkschmerzen auftreten, müssen diese behandelt werden.
Anfängliche Behandlung
Als anfängliche Behandlung der Paget-Krankheit verschreibt der Arzt in der Regel ein Medikament, das Bisphosphonat, das die Zerstörung des Knochengewebes und die Schmerzen verringert und Komplikationen vorbeugt. Im Falle einer Bisphosphonat-Intoleranz kann der Arzt ein anderes Medikament verschreiben, das Calcitonin.
Die Bisphosphonate führen fast immer zu einem lang anhaltenden Stillstand der Paget-Krankheit. Bei manchen Patienten flackert die Krankheit nach einiger Zeit wieder auf und muss behandelt werden.
Falls die Knochenschmerzen durch die Behandlung mit Bisphosphonat nicht gelindert werden, können Aspirin, Ibuprofen oder ein anderes nichtsteroidales Antiphlogistikum (AINS) verabreicht werden.
Erhaltungs-Therapie
Falls die Paget-Krankheit trotz der medikamentösen Behandlung aktiv bleibt, ist eine Fortsetzung der Behandlung mit Bisphosphonat oder Calcitonin nötig. Falls diese Medikamente wirkungslos bleiben, kann der Arzt Plicamycin verschreiben, das intravenös verabreicht wird.
Falls die Krankheit in die inaktive Phase übergeht, wird der Patient in der Folge durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen überwacht. Die Empfehlungen zur Häufigkeit dieser Kontrolltests sind unterschiedlich, sie liegen zwischen vierteljährlich und jährlich. Falls die Schmerzen wieder auftreten oder die Labor-Tests nachweisen, dass die Krankheit wieder aktiv ist, muss die medikamentöse Behandlung unterbrochen werden und erneut nach Komplikationen gesucht werden.
Die mechanische Behandlung der betroffenen Knochen mit Hilfe von Schienen oder Prothesen ist sehr wichtig und auch der Gebrauch von Spazierstöcken oder Krücken muss in Betracht gezogen werden, da sie beim Gehen hilfreich sind und Stürzen vorbeugen. Um diese Geräte korrekt zu benutzen, muss ein Training durchgeführt werden. Das Lesen und Befolgen der Gebrauchsanweisungen trägt auch zu einer korrekten und sicheren Anwendung bei.
Die Physiotherapie kann zur Verbesserung der Muskelkraft und –widerstandsfähigkeit und des Gleichgewichts beitragen.
Die Hausbetreuung durch Fachpersonal (Nursing) kann notwendig sein, wenn die Medikamente intravenös verabreicht werden.
Akupunktur und Entspannungs-Techniken (z.B. Bio-Feedback) tragen bei vielen Patienten zur Schmerzlinderung bei.
Behandlung im Falle einer Krankheits-Verschlechterung
Falls sich die Paget-Krankheit verschlechtert, können Komplikationen wie beispielsweise Osteoarthritis auftreten. In manchen Fällen ist der chirurgische Gelenkersatz nötig. Manchmal empfehlen die Ärzte auch eine chirurgische Behandlung bei Kompression eines Nervs oder bei Knochendeformierungen.
Chirurgische Eingriffe umfassen:
- totaler Ersatz des Hüft- oder Kniegelenks
- die Osteotomie, die einen Gelenkersatz entweder aufschiebt oder ganz vermeidet
Ambulante Behandlung zu Hause
Der Patient kann selbst etwas tun, um seine Beschwerden zu verbessern, zum Beispiel:
- das Erlernen von Techniken, um mit den Schmerzen besser umgehen zu können, einschließlich Führen eines "Schmerz-Tagebuchs"
- das Ergreifen von Vorsichtsmaßnahmen zur Vermeidung von Stürzen (glatte Fußböden ohne Hindernisse, also keine Teppiche, keine Unordnung)
- regelmäßige körperliche Aktivität, um das Körpergewicht zu halten (Spaziergänge, Jogging, Treppensteigen, Tanzen oder Gewichtheben zur Stärkung der Knochen); Um die von der Krankheit betroffenen Knochen zu schonen, sollte zusammen mit dem Arzt oder Physiotherapeuten ein individuelles Übungsprogramm festgelegt werden.
- das Einhalten einer ausgewogenen Ernährung mit einer täglichen Zufuhr von 1000-1500 mg Calcium und 400 UI Vitamin D; Patienten, die ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Nierensteinen haben, müssen ihre Ernährung mit einem Arzt besprechen.
- die Verwendung von Hörgeräten, wenn nötig
Medikamente - Möglichkeiten
Zur Behandlung der Paget-Krankheit kommen mehrere Medikamentengruppen in Frage. Die Erkrankung kann mit einer medikamentösen Behandlung zwar nicht geheilt werden, aber sie kann in die inaktive Phase übergehen und den Komplikationen wird vorgebeugt.
Medikamente wie Bisphosphonat und Calcitonin verlangsamen die Knochenzerstörung. Zur Behandlung der Schmerzen stehen u.a. die so genannten nichtsteroidalen Antiphlogistika (AINS) zur Verfügung.
Substanzen, welche die Umwandlungsprozesse des Knochengewebes verlangsamen, umfassen:
- Bisphosphonate, die in der Regel als erstes zur Behandlung der Paget-Krankheit eingesetzt werden
- Calcitonin, das im Allgemeinen als Spritze verabreicht wird; es wird angewendet, wenn beim Patienten eine Biphosophonat-Intoleranz vorliegt oder das Bisphosphonat wirkungslos geblieben ist
- Plicamycin, das intravenös verabreicht wird und nur dann verwendet wird, wenn der Patient nicht auf die Behandlungen mit Bisphosphonat und Calcitonin reagiert hat.
Wichtig!
Um einen Behandlungserfolg zu erzielen, sollte die medikamentöse Behandlung mehrere Wochen lang durchgeführt werden.
Manche Medikamente halten die Krankheit und ihre Symptome nur während ihrer Verabreichung unter Kontrolle. Kurz nach Beenden der Behandlung können die Symptome wiederkehren.
Der Arzt kann eine medikamentöse Behandlung der Paget-Krankheit auch dann empfehlen, wenn der Patient keine Beschwerden hat, da die Medikamente einer schnellen Zerstörung des Knochengewebes vorbeugen und das Komplikationsrisiko verringern.
Zu Beginn der Behandlung werden oral einzunehmende Bisphosphonate verschrieben, wie Alendronat oder Risendronat. Bei schlimmen Nebenwirkungen kann eine intravenöse Verabreichung von Pamidronat versucht werden.
Chirurgische Behandlung
Der Gelenkersatz ist der am häufigsten vorgenommene chirurgische Eingriff zur Behandlung der Gelenkkomplikationen, die durch die Paget-Krankheit hervorgerufen werden (Osteoarthritis der Hüfte oder des Knies).
Bei der so genannten Osteotomie wird ein Knochenfragment entfernt und der verbliebene Knochen neu modelliert. Mit Hilfe dieses Eingriffs kann ein Gelenkersatz aufgeschoben werden, dies ist aber in der Regel nur bei jüngeren Patienten möglich.
In manchen Fällen wird auch ein chirurgischer Eingriff empfohlen, um durch Knochen eingeklemmte Nerven oder deformierte Knochen zu behandeln.
Bei den Patienten, die an der Paget-Krankheit leiden und bei denen ein chirurgischer Eingriff vorgesehen ist, kann vorher eine langfristige medikamentöse Behandlung nötig sein, um den Zerstörungsprozess der Knochen zu verlangsamen und das Blutungsrisiko während des Eingriffs zu verringern.
Zusätzliche Behandlungen
Andere Behandlungsmethoden umfassen:
- angepasste Schienen und Prothesen zum Stützen der Knochen und Gelenke, um Brüche zu vermeiden
- Spazierstöcke und Krücken, die das Gehen erleichtern und das Sturzrisiko verringern
- die Physiotherapie kann zur Verbesserung der Muskelkraft und –widerstandsfähigkeit und des Gleichgewichts beitragen
- Die Hausbetreuung durch Fachpersonal (Nursing) kann notwendig werden, wenn Medikamente intravenös verabreicht werden
- zu den alternative Therapiemöglichkeiten zählen Akupunktur und Entspannungstechniken (z.B. Bio-Feedback), die bei manchen Patienten zur Schmerzlinderung beitragen
Prophylaxe
Es gibt keine prophylaktischen Maßnahmen zur Vermeidung der Paget-Krankheit, aber man kann durch die Einnahme von Medikamenten, eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche Übungen die Komplikationen des Morbus Paget erfolgreich bekämpfen.