Hippocrates Forum
Datum: 31, 07, 2010
 

Säuglingskoliken

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Einführung

Koliken bedeuten keine Erkrankung, sondern bezeichnen ein Terminus, der für die Beschreibung der unerklärbaren Weinausbrüche bei gesunden Säuglingen.
Wenn das Baby jünger als 5 Monate ist und mindestens 3 Stunden am Tag, 3 Tage in der Woche, ununterbrochen weint, in einer Zeitspanne von mindestens 3 Monaten und es keine medizinische Erklärung für diese Verhaltensweise gibt, dann kann man von Säuglingskoliken sprechen.

Das Weinen kann zu jeder Tageszeit auftreten, aber in der Regel treten sie häufiger zwischen 18 Uhr und Mitternacht auf.

Koliken treten bei 20% der Säuglinge auf, in der Regel 2 - 4 Wochen nach der Geburt. Glücklicherweise, dauern Kolika nicht sehr lange an. Bei 60% der an Kolika leidenden Säuglinge werden diese bis im Alter von 3 Monaten verschwinden, und in 90% der Fälle werden im Alter von 4 Monaten Fortschritte zu bemerken sein. Wenn nach diesem Alter das Kind immer noch übermäßig weint, kann die Ursache ein Gesundheitsproblem sein.

Die nachfolgenden Symptome sind keine Anzeichen von Koliken und sie erfordern eine medizinische Untersuchung:
» Blut oder Schleim im Stuhlgang
» wiederholtes Erbrechen
» Gewichtsabnahme
» Abnahme des Saugrückflusses

Die an Koliken leidenden Säuglinge haben einen starken Saugreflex und einen normalen Appetit; sie gelten als normal und haben einen normalen Wachstum.

Ursachen der Kolika

Koliken bilden eins der großen Geheimnisse des Säuglingslebens. Deren Ursachen sind nicht bekannt, dafür gibt es viele Theorien. Eine mögliche Ursache kann eine Milchallergie sein, aber heutzutage glaubt man, dass diese sehr selten für das Auftreten der Koliken verantwortlich ist. Koliken können auch bei am Busen gestillten Säuglingen auftreten, und in diesem Falle können Veränderungen in der Ernährweise der Mutter zu guten Ergebnissen führen.

Laut einer der Theorien, ist das Verdauungssystem der Säuglinge unreif und empfindlich. Der Verdauungskanal eines Neugeborenen enthält nur sehr wenige Enzyme oder Verdauungssäfte, so dass die Verdauung der Milchproteine zum Rülpsen führen kann.  Das Weinen des Säuglings kann auch zum Schlucken einer großen Luftmenge führen, was zur Anhäufung von Gasen führt.

Andere Theorien besagen, dass die verlängerten Koliken-Anfälle eine Befreiungsmöglichkeit für Babys bilden, da ihr Nervensystem in Entwicklung begriffen ist, und es nicht alle Reize der neuen Umwelt verarbeiten kann.
in vielen Fällen, werden Koliken durch die  Refluxkrankheit hervorgerufen, bei der sich der Magensäureninhalt in die Speiseröhre (Ösophagus) ergießt und somit die Speiseröhreschleimhaut irritiert.

Anzeichen der Refluxkrankheit sind: häufiges Erbrechen (Regurgitationen) nach dem Stillen, Aufregung und häufiges Wachwerden in der Nacht, Schmerzen wenn das Baby auf den Rücken gelegt wird, Rückenbogen, Verringerung der Schmerzen wenn das Baby aufrecht gelegt wird.
Es gibt zwei einfache Heilmittel für die Refluxkrankheit: das doppelt so häufige Stillen in halben Portionen und das Aufrechterhalten des Babys mindestens zwei Stunden nach dem Stillen.
Die Refluxkrankheit dauert in der Regel bis zum Alter von 6 -9 Monaten an.

Koliken und die Ernährungsweise der Mutter

In seltenen Fällen können im Falle der gestillten Säuglinge, Koliken als Ergebnis bestimmter von der Mutter zu sich genommener Nahrungsmitteln auftreten. Milchprodukte sind am meisten dafür verantwortlich. Mütter sollten versuchen, eine Woche lang Milch, Käse und Joghurt zu vermeiden, um zu beobachten ob eine Verbesserung auftritt. Im Falle dass diese Maßnahme zu guten Ergebnissen führt, sollte der Milchproduktenkonsum auch weiterhin reduziert werden.

Bei manchen Säuglingen können die Symptome auftreten wenn die Mutter scharfe Nahrungsmittel, Nüsse, Erdbeeren, Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler (Blumenkohl, Brokkoli, Weißkohl, usw.), Knoblauch, Kaffein und Alkohol zu sich nimmt. Um zu überprüfen, ob eines dieser Nahrungsmittel eine negative Auswirkung auf den Säugling hat sollte man all diese Nahrungsmittel eine Woche lang vermeiden. Falls sich das Baby besser fühlt, wird je ein Nahrungsmittel in die Ernährung wieder eingeführt, mit einem Abstand von einigen Tagen zwischen zwei verschiedenen Nahrungsmitteln. Somit kann das bestimmte Nahrungsmittel identifiziert werden, welches für das Auftreten der Koliken verantwortlich ist.

Dieses Nahrungsmittel, das zum Auftreten der Kolika führt, wird solange vermieden, bis der Säugling seine Empfindlichkeit gegenüber diesem verliert, in der Regel etwa im Alter von 3 Monaten.
Falls der Säugling künstlich ernährt wird, kann eine andere Milchformel getestet werden.
Sowohl den normal, als auch den künstlich ernährten Säuglinge muss zu einer Regurgitation während und nach dem Stillen verholfen werden. Somit wird der Druck verringert, der durch das Lustschlucken während des Stillens zustande kommt.

Beruhigungsmethoden für an Koliken leidenden Säuglingen

Geben Sie dem Kind den Schnuller. Manchmal ist diese Methode wirksam, weil das Saugen  für die Kinder beruhigend und angenehm ist. Seien Sie aber vorsichtig, diese Strategie nicht in allen Situationen, wo das Kind weint, anzuwenden, sondern versuchen Sie, die Ursache der Beschwerde herauszufinden. Ein Spaziergang mit dem Kinderwagen kann in diesem Fall auch nützlich sein.

Legen Sie das Kind mit dem Bauch nach unten auf Ihren Knien oder auf eine in einem Handtuch eingewickelte (oder bei einer bei Handtemperatur gekühlte) Wärmeflasche. Massieren Sie den Rücken des Kindes, um den im Magen aufgestauten Druck herabzusenken.

Nehmen Sie das Kind auf den Arm, sprechen Sie mit ihm oder wiegen Sie ihn. Auch wenn es nicht immer einfach ist, ein schreiendes Baby zu wiegen, beruhigt er sich manchmal schon nach einer einfachen Berührung und daher ist es wichtig, ihn wenigstens zu trösten.

Tragen Sie das Kind auf dem Arm. Manche kolikenkranke Säuglinge lieben es, sich immer in Bewegung zu befinden. Wenn ihr Kind auch zu dieser Kategorie gehört, kaufen Sie einen Babyträger, um ihr Baby immer mitzuhaben, auch wenn Sie ihre verschiedenen Tätigkeiten errichten.
Versuchen Sie, die Atmosphäre zu ändern. Sie können einen Spaziergang mit dem Baby machen – die frische Luft und Bewegung werden ihm helfen, leichter einzuschlafen.

Führen Sie ein Tagebuch, in dem sie alle vom Baby gesendeten Signale, sowie die von Ihnen zu dessen Beruhigung angewandten Mitteln festhalten. Es ist möglich, ein wiederkehrendes Muster dabei zu erkennen. Wenn das Baby vor dem Schlafengehen zu weinen anfängt, und Sie ihn in den Schlaf wiegen, kann diese Bewegung zu heftig sein und ihn deswegen stören. Versuchen Sie, das Baby ins Bett zu legen wenn Sie bemerken, dass es müde ist.

Stillen Sie ihn richtig. Je mehr Luft er während dem Stillen einschluckt, desto mehrere Probleme wird er haben. Falls die Stillung künstlich erfolgt, ist es besonders wichtig, eine passende Babyflasche zu finden. Der Sauger darf nicht allzu klein sein (weil in diesem Fall das Baby wegen der geringen Milchmenge, die durch die Öffnung fließt, unzufrieden sein könnte und daher versuchen würde, eine größere Menge aufzusaugen), aber auch nicht allzu groß (weil er dadurch eine zu große Milchmenge aufsaugen würde). Manche wurden Babyflaschen speziell dazu entwickelt, die Koliken durch die Verringerung des Luftschluckens vorzubeugen. Die Antikolika-Babyflaschen haben eine geschwungene Form und innere Ventile, um die Bildung von Luftbläschen in der Flüssigkeit zu verhindern.

Natürliche Heilmittel. Manche Eltern behandeln ihre Säuglinge mit Hilfe von natürlichen Heilmitteln, wie zum Beispiel leichte medizinische Fenchel(Foeniculum), Anis-, oder Kamillenteen. Wie auch im Falle eines Medikaments, müssen Sie immer auf die Dosierung achten, oder einen Kinderarzt dazu befragen.

Verabreichung von blähungstropfen. Suchen Sie ein Produkt, welches das Simeticon als Wirkungsstoff hat und achten Sie besonders darauf, dass dieses Produkt speziell für Kinder entwickelt wurde. Wie auch im Falle der Medikamente, befragen Sie zuerst einen Arzt.

Falls das Baby Hunger hat, wird es schnell essen, und dabei auch viel Luft einschlucken. Warten Sie nicht, dass das Baby vor Hunger schreit, bevor Sie ihn stillen.
Schaffen Sie eine ruhige und stille Atmosphäre während des Stillens – frei von direkter Lichtbestrahlung und lauten Geräuschen.

Ratschläge für Eltern

Die Behandlung eines Neugeborenen, vor allem wenn es sich um das erste Kind handelt, ist ein schwieriger Prüfstein für alle Eltern. Im Falle dass das Baby Koliken hat, können die Eltern aber regelrecht von der Situation überfordert sein. Sie können frustriert werden, weil Sie ihrem Kind in der Not nicht helfen können, deprimiert oder nervös wegen der Schlaflosigkeit. Das ist nicht gerade das beste Bild, das man sich über die Behandlung eines Babys machen kann.

Eltern, deren Säuglinge an Koliken leiden, können den Eindruck haben, dass das Weinen nie ein Ende nehmen wird. Deswegen ist es wichtig, die Ruhe zu bewahren und Geduld zu haben.
Vergessen sie aber auch nicht, auch für sich in all diesen Momenten zu sorgen. Beschuldigen Sie sich nicht für das unendliche Weinen des Säuglings – niemand trägt dafür die Schuld, dass das Baby an Koliken leidet. Versuchen Sie sich zu entspannen und bedenken Sie immer, dass der Säugling letzten Endes auch diese Hürde überwinden wird.

In der Zwischenzeit zögern Sie nicht, sich eine Pause zu nehmen, wenn Sie diese nötig haben. Ihre Freunde und Verwandten sind manchmal froh, sich um das Baby zu kümmern, während sie sich ausruhen. Falls niemand dazu bereit ist, können Sie das Kind ins Bett legen und sich eine kurze Pause nehmen bevor Sie erneut versuchen, das Baby zu beruhigen.

Bitten Sie Ihren Lebenspartner, ihre Großeltern oder Ihre Freunde, Ihre Aufgaben zu übernehmen, bevor die Situation unausstehlich wird. Falls Ihnen niemand helfen kann, lassen Sie das Baby 10 Minuten im Bettchen und verlassen Sie das Zimmer. Es ist besser, das Baby ein paar Minuten lang weinen zu lassen, als ihre Kontrolle zu verlieren. Oder Sie können Ohrstöpsel verwenden. Sie werden damit weiterhin das Weinen hören, aber dessen Laustärke wird niedriger sein.

Versuchen Sie sich, nicht für das Verhalten ihres Babys verantwortlich zu fühlen: wenn der Säugling trotz all Ihrer Bemühungen weint, bedeutet es, dass sie einfach nichts Weiteres machen können.
Nutzen Sie den Schlaf des Babys aus, um die Ruhe zu genießen. Entspannen Sie sich, indem Sie ein heißes Bad nehmen, schlafen oder etwas tun, dass Ihnen Spaß macht. Dadurch können Sie Ihre Batterien wieder aufladen und die Frust vergessen.

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