Von Elena Brkic
Die Schweinegrippe verbreitet weltweit Schrecken: Mehr als hundert Tote sind bereits in Mexiko zu verzeichnen, fast 30 Erkrankte in den USA und in Kanada, und nun auch Verdachtsfälle in Europa. Alle fürchten sich vor der internationalen Bedrohung. Viele Fragen drängen sich auf. Im Folgenden ein paar Antworten.
Was versteht man unter dem SCHWEINEGRIPPE-VIRUS-Erreger?
Bei dem Virus handelt es sich um einen Influenza-Typ A-Virus, der molekularbiologisch als H1N1 bezeichnet wird. Das Virus ist wohl von Mensch zu Mensch übertragbar. Da es von Schweinen stammt, gilt es als besonders gefährlich: In Schweinen können verschiedene Viren ihr Erbgut austauschen und sich ebenfalls vermehren.
Der H1N1-Erreger lässt an die Spanischen Grippe von 1918 zurück erinnern, die weltweit mehr als 25 Millionen Menschen das Leben kostete.
Wie wird das Virus übertragen?
Das Virus kann durch Händeschütteln, Niesen und Husten übertragen werden. Es stammt sehr wahrscheinlich aus Schweinen. Dennoch vertreten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie die Regierung in Mexiko die Meinung, dass Schweinefleisch bedenkenlos verzehrt werden könne, insbesondere wenn es sich um gegartes Fleisch handle, da das Virus bei 70 Grad Celsius abgetötet werde.
Welche Symptome stehen im Vordergrund?
Die Schweinegrippe zeigt im wesentlichen ähnliche Symptome wie die normale Influenza: plötzliches Fieber, starke Muskelschmerzen, trockener Husten und das intensive Gefühl eines trockenen Halses. Bisher wurden vermehrter Durchfall und stärkere Übelkeit bemerkt.
Worin liegt die besondere Gefahr bei den Schweine-Grippe-Viren?
Die besondere Gefahr besteht darin, dass der Mensch keine natürliche Immunität gegen den Virus besitzt, und es monatelanger Forschungsarbeit bedarf, bis ein passender Impfstoff gefunden und auch in ausreichenden Mengen hergestellt werden kann.
Es gibt bereits Impfstoffe gegen H1N1-Viren, aber diese unterscheiden sich vom neuen Influenza-Virus, sodass keine Immunität nach der Impfung besteht.
Die WHO und die US-Behörde für Seuchenkontrolle (CDC) konnten Proben des neuen Stammes des Schweinegrippe-Virus H1N1 isolieren. Diese wurden an industrielle Produzenten weitergegeben und müssen nun in speziell präparierten Hühnereiern heranreifen. Erst anschließend können sie für Impfstoffe dienen.
Auch heute sterben noch 250.000 bis 500.000 Menschen jedes Jahr an der Grippe. Der neue Erreger könnte wieder größere Zahlen schreiben. Vor allem ältere Menschen sind besonders anfällig. Die häufigste Folge und Todesursache der Grippe ist die Lungenentzündung.
Wie wandlungsfähig sind die Erreger?
Grippeviren zählen zu den wandlungsfähigsten Erregern. Normalerweise verändern sie sich nur in geringem Ausmaße durch einzelne Erbgutsvariationen. Die Entwicklung von gänzlich neuen Typen wie dem neuen Schweine-Grippe-Virus ist extrem selten. Meist sind Vögel oder eben Schweine eine Art Zwischenwirt, in denen sich das Erbgut der Viren mischen und vermehren kann. Auf diese Weise entstehen völlig neue Erregertypen, die auf den Menschen übertragbar sind.
Welche Pandemien gab es bisher?
(Name nach der Region, in der der Erreger erstmalig isoliert werden konnte)
1918 – 1920: die Spanische Grippe.
Es handelte sich ebenfalls um den Typ H1N1, der weltweit mehr als 25 Millionen Menschen das Leben kostete. Das Besondere war die Bedrohung vor allem junger, gesunder Menschen zwischen 20 und 40 Jahren.
1957: die Asiatische Grippe
1968: die Hongkong-Grippe
1997: die Vogelgrippe in Hongkong.
Mehrere Menschen starben durch Kontakt mit dem Virus in Hühnerställen. Eine Mensch zu Mensch Übertragung blieb aus.
Welche Maßnahmen wurden bisher in Mexiko getroffen?
In Mexiko wurden die Schulen der Hauptstadt und zweier Bundesstaaten geschlossen sowie öffentliche Veranstaltungen mit Menschenansammlungen abgesagt. Zahlreiche Bars und Restaurants wurden ebenso vorübergehend geschlossen wie Kirchen und Kinos. Gerade Begrüßungsgesten wie sich-die-Hände-reichen und Küssen sollen vermieden werden. Die WHO hat ein spezielles Kontrollzentrum eingerichtet, und Menschen werden im Verdachtsfall isoliert, um ihre Umwelt zu schützen. Die Weltbank sagte dem Land Hilfskredite in Höhe von 205 Millionen Dollar zu.
Was sind aktuelle Meinungen?
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wertet die Grippe mit "Potential für eine Pandemie". Pandemie bedeutet, dass sich die Influenza auf andere Kontinente ausbreiten könnte. Genaue Aussagen können noch nicht gemacht werden.
Die USA möchte im Rahmen eines Notfallplans alle potentiell infizierten Reisenden überprüfen. Präsident Barack Obama kündigte ein "aggressives und koordiniertes Vorgehen" an.
Erste Reisewarnungen wurden für Mexiko ausgesprochen - darunter Polen, Italien, Russland und Venezuela. Es folgten Importverbote für Fleisch aus Mexiko sowie den USA und Kanada. Länder wie China, Russland und Taiwan möchten jeden „Grippe-verdächtigen“ Menschen unter Quarantäne stellen.
Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Jörg Hacker, bestätigte die Potentiale des Schweine-Grippe-Virus als Pandemie-Verursacher, die dann auch Deutschland betreffen würde. Panik solle jedoch vermieden werden, da man zurzeit keinerlei konkrete Aussagen machen könne. Deutschland sei aber für den Fall der Fälle gut vorbereitet.
Aktuelle Zahlen:
In Mexiko werden nach Angaben des mexikanischen Gesundheitsministeriums derzeit 1614 Grippekranke in Krankenhäusern versorgt. Von den Erkrankten seien aber mehr als 60 Prozent auf dem Wege der Besserung.
Kanada meldete bisher sechs bestätigte Fälle, Neuseeland bei zehn Schülern einen Verdacht.
Aus Israel, Brasilien, Frankreich und Spanien stammen weitere Verdachtsfälle.