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Suizid – Entstigmatisierung und Prävention?

Von Irina Santarelli

Robert Enke – dieser Name sorgte in den letzten Tagen immer wieder für Aufsehen: auf den Titelblättern der Zeitungen wie auch im Fernsehen. Wenn sich eine solch berühmte und bejubelte Person dafür entscheidet, sich das Leben zu nehmen, dann führt dies in der Bevölkerung für großes Mitgefühl.



Dies kann ein erster Schritt sein in Richtung Entstigmatisierung von Depression und Suizid. Experten meinen: Das ist der richtige Weg für die Gesellschaft. Sie muss wachsamer werden für erste Anzeichen von Suizid – sie muss Depressionen ernster nehmen: Denn depressive Menschen zeigen häufig Suizid-Gedanken. 90% der Patienten geben an, mindestens einmal in ihrem Leben ernsthaft über Suizid nachgedacht zu haben. Der Weg vom ersten ernsthaften Gedanken bis zur schlussendlichen Durchführung ist lange. Die meisten Patienten geben den Suizid-Gedanken sofort wieder auf. Diejenigen, die einen konkreten Handlungsplan entwickeln, müssen frühzeitig entdeckt werden: Ärzte raten auch Freunden und Verwandten, das Tabuthema Suizid anzusprechen, wenn sie merken, dass eine Person trauriger wird und sich mehr und mehr abschottet: „Hast du schonmal darüber nachgedacht, dir das Leben zu nehmen?“ Entgegen dem sicher menschlichen Grundgefühl, dass diese Frage Auslöser sein könnte, überhaupt über Suizid nachzudenken, meinen Experten, dass dies nicht der Fall wäre. Eine Person, die niemals Suizid-Danken gehegt habe, fühle sich in der Regel durch diese Frage überhaupt nicht angesprochen. Die Frage helfe – man mache sich nicht zum Schuldigen durch Anregung zum Selbstmord.

Als besonders schwierig zeigen sich sogar für Psychiater Patienten, die nach außen – wie der Nationaltorwart Enke – eine absolut intakte starke Fassade zeigen. Die Patienten fühlen ihre Depression als Schwäche, die in jedem Fall verborgen werden muss. Das schottet sie weiter ab. Die Angst vor Enthüllung treibt die Patienten immer mehr in eine Enge, aus der sie alleine nicht mehr heraus kommen, da ihnen häufig die Kraft fehlt. Der Druck steigert sich schließlich so weit, dass sie keinen anderen Ausweg mehr sehen als Selbstmord.

„Enke soll nicht umsonst gestorben sein“, dass hört man immer mehr unter Experten. Die Entstigmatisierung ist ein langwieriger Prozess – aber durch den Tot den Nationalspielers könnte in Zukunft ein wichtiger großer Schritt in die richtige Richtung gemacht werden.
 
 
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