Von Irina Santarelli
Das Vitamin Folsäure ist vielen Müttern aus ihrer Schwangerschaft ein Begriff: Ein Mangel an Folsäure kann in der Schwangerschaft zu Fehlbildungen führen. Der Fetus kann Neuralrohres-Defizite und damit Fehlbildungen des Nervensystems entwickeln. Das Vitamin ist wichtiger Bestandteil für die Synthese von DNA-Bausteinen.
Norwegische Studien zeigten jetzt ein erhöhtes Krebsrisiko bei Gabe von Folsäure sowie Vitamin B12. In der Universitätsklinik Bergen wurden Daten von fast 7000 kardiologischen Patienten untersucht. Die Patienten zeigten einen erhöhten Homocystein-Spiegel, der heutzutage als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gewertet wird. Der erhöhte Spiegel sollte mittels Folsäure und anderen B-Vitaminen gesenkt werden, da diese eine Rolle im Homocystein-Kreislauf spielen. Nach 39 Monaten Behandlung und 38 Monaten Nachbehandlungen konnten bei den Patienten im Vergleich zur Placebo-Kontroll-Gruppe unter 0,8 mg/d Folsäure und 0,4 mg/d Vitamin B12 21 Prozent mehr Krebsfälle festgestellt werden. Dies entspricht einem relativem Risikoanstieg um 38 Prozent. Ein überdimensionierter Anstieg zeigte sich bei Lungenkrebs-Fällen. Frühere Studien anderer Universitätskliniken wiesen dagegen auf ein geringeres Darmkrebsrisiko unter Folatgabe hin.
Die Autoren der norwegischen Studie plädieren aufgrund ihrer Forschungsergebnisse dafür, eine Anreicherung von Lebensmitteln mit Folsäure und die Einnahme von Nahrungsegängzungsmitteln zu überwachen. In Deutschland ist beispielsweise die Anreicherung von Mehl mit Folsäure zur Verhinderung von Fehlbildungen bei Neugeborenen wie in den USA noch nicht gängig, wird aber immer wieder diskutiert.
Das für die Synthese von DNA benötigte Vitamin Folsäure könnte durch eben diesen Mechanismus ein vermehrtes Auftreten der Krebs-Fälle erklären. Antagonisten gegen Folsäure gehören heutzutage zum gängigen Therapieschema vieler Krebsarten.