Von Natascha Kusnezow
Der Belgier Rom Houben lebte aufgrund einer Fehldiagnose 23 Jahre lang als Wachkomapatient -bei vollem Bewusstsein.
Nach einem schweren Autounfall hatten ihn die Ärzte im Jahre 1983 fälschlicherweise als Komapatienten eingestuft. Zwei Jahrzehnte später wurde bei einer tomographischen Untersuchung durch den belgischen Neurologen Steven Laureys festgestellt, dass Houber zwar komplett gelähmt aber dennoch die ganzen Jahre über bei vollem Bewusstsein war.
Der ehemalige Kampfsportler hatte keinerlei Möglichkeit sich seiner Umwelt mitzuteilen, er war gefangen im eigenen Körper. Machtlos musste er miterleben wie Ärzte und Pfleger ihn nach und nach aufgaben. Nur die Mutter des Patienten glaubte von Anfang an daran, dass ihr Sohn sie verstehen konnte - doch niemand wollte ihr glauben.
„Ich habe mich weggeträumt“, antwortet Houben dem „Spiegel“ auf die Frage, wie er diese Horrorzeit überstehen konnte. Dank einer speziellen Therapie und mit Hilfe eines Sprachcomputers kann der heute 46-Jährige nun mit der Außenwelt kommunizieren.
Der Neurologe und Komaforscher Steven Laureys leitete im Sommer eine Studie, der zufolge bei rund 40 Prozent aller Wachkomapatienten bei gründlicher Prüfung noch Bewusstseinsreste nachweisbar sind. Deshalb fordert der Leiter des Koma-Forschungszentrums der Universität Lüttich nun, einen Patienten mindestens zehnmal zu prüfen bevor er endgültig als Wachkomapatient eingestuft wird.