Von Natascha Kusnezow
Ein neu erforschtes Zellsystem erlaubt erstmals Einblicke in die frühen Stadien der Virusinfektion mit Hepatitis–B. Die Zahl der Menschen, die jährlich an chronischer Hepatitis-B-Erkrankung sterben, beträgt weltweit ungefähr eine Millionen. Bisher war es kaum bekannt, wie das Virus in die Leberzellen eindringt, weil kein Zellkultursystem vorhanden war, welches in vitro (d.h. außerhalb des menschlichen Körpers im Labor) mit HBV infizierbar war.
Forschern des Universitätsklinikums Heidelberg ist es jetzt erstmals gelungen eines dieser Zellkultursysteme zu entwickeln und dieses zu analysieren. Man kann nun die einzelnen Vermehrungsschritte von HBV in der Leberzelle untersuchen. Diese Neuigkeiten haben es den Forschern ermöglicht, dasjenige Protein der äußeren Virushülle zu identifizieren, welches für das Andocken und Eindringen in die Leberzelle verantwortlich ist.
Die Forscher haben außerdem Substanzen entdeckt, welche diese frühe Etappe der Infektion mit dem Virus effektiv verhindern. Diese sogenannten Peptide sind dem Teil des Proteins, mit dem das Virus an die Rezeptoren der Leberzelle bindet, identisch. Die Peptide blockieren nun diese Rezeptoren und verhindern damit das Eindringen des Virus in die Leber. Um die therapeutische Wirksamkeit zu überprüfen, werden nun Infektionsversuche mit Tieren getestet.